Historie

Das Lexikon gibt Auskunft: "Garde (franz. Wache; Lutherzeit) die, ursprünglich Leibwache der Fürsten (Leibgarde, Hofgarde), dann Elitetruppe mit besonders ausgesuchtem Ersatz und oft prunkvoller Uniform ..." Stimmt genau! "Leibgarde der Fürsten": Prinzen sind auch Fürsten, zumindest künftige. "Elitetruppe mit besonders ausgesuchtem Ersatz" - auch richtig! Wir sind eine Elitetruppe. Natürlich! Oder ist eine Prinzen-garde keine Elite, wenn auch nur im Karneval? Wie denn - "nur"? Ist etwa der Karneval nicht ernst zu nehmen? Da sind wir ganz anderer Meinung! - "Mit ...oft prunkvoller Uniform".
Selbstverständlich! Man sehe sich unsere an. Sie ist einfach, aber prunkvoll - eben einfach prunkvoll.
 
Soweit das Lexikon zum Stichwort "Garde". Aber der Chronist wäre natürlich schlecht beraten, wollte er sich in einem Artikel über unsere Prinzengarde nur auf ein Lexikon verlassen, dem wir völlig unbekannt sind. Da fragen wir doch lieber einen Kenner!
 
Wir haben ihn befragt. Keineswegs von Hause aus ist er Archivar. Aber er archiviert - und wie! Er hat eines der größten karnevalistischen Regionalarchive der Bundesrepublik aufgebaut. Sie wissen von wem ich rede: Gemeint ist Rudi Neuhausen, Ehren- Oberstleutnant unserer Garde, Präsident der KG "Uzvögel" und Initiator und Hobby-Archivar des von ihm gegründeten, in mühsamer Kleinarbeit geschaffenen und ständig auf dem neusten Stand gehaltenen Krefelder Karneval-Archivs. Er betreut und ergänzt es laufend. Er forscht über das Brauchtum Karneval am Niederrhein und über seine Gesellschaften. Und damit natürlich auch über die Krefelder Prinzengarde. Unterstützt wird er von der karnevalistisch erfahrenen Frau Hildegard Hoffmann und von Herbert Hölters. Auch für Nicht-Karnevalisten ist das fast einmalige Archiv sehr sehenswert und allgemeinbildend. Für Heimatforscher ist es eine geradezu unverzichtbare Fundgrube.

Über die Prinzengarde existieren dort zwei prall gefüllte Aktenordner mit Fotokopien und Abschriften von "geschäftlichem" Briefwechsel und Zeitungsartikeln; wertvolle Orginale werden selbstverständlich gesondert verwahrt. Sämtliche Ausgaben des "Kurier" seit seinem ersten Erscheinen sind vorhanden, Orden und Uniformteile, Plakate, Handzettel, Fahnen, Standarten und ...und...
Was lag für den Chronisten näher, als sich an eben diesen Rudi Neuhausen zu wenden um viel oder alles zur Geschichte der Krefelder Prinzengarde zu erfahren.

Und das in den folgenden Abschnitten Beschriebene ergab sich:


Die Gründung

Seit 1898 gab es in Krefeld eine Prinzenbegleitgarde. Das war jedoch keine dauerhafte Truppe. Ihre Mitglieder wurden von Jahr zu Jahr neu angeworben. Entsprechend dem Motto des Rosenmontagszuges, der damals offiziell noch nicht so hieß, wurde ihre Uniform jedes Jahr geändert.
 
Den Anstoß zur Gründung einer ständigen Prinzengarde gab der Krefelder Kaufmann Richard Vogel. Er war 1914 als Richard I. Herrscher über die Krefelder Narren; eine Prinzessin gab es zu jener Zeit noch nicht. Aus Erfahrungen, die er als Karneval-Besessener in den Jahren zuvor gesammelt hatte, wusste er, dass die Tollität dringend eine ständige Begleitgarde brauchte - nicht nur zur Hebung des Ansehens, sondern auch zur Übernahme bestimmter Aufgaben außerhalb der Begleitung und außerhalb der Session. Sie sollte im Gegensatz zu der bisherigen Prinzenbegleitgarde eine feste Größe im Krefelder Karneval sein.

 So kam es am 2. Januar 1914 im Gartensaal des Hotels "München" auf der Hochstraße zur Gründung der ständigen Prinzengarde. Erster Kommandeur wurde der Hotelier Franz Wilmeroth. Die Schirmherrschaft über die natürlich berittene Truppe übernahm freudig Freiherr von Gillhausen, damaliger Kommandeur des II. Westfälischen Husarenregimentes Nr. 11 der "Krefelder Husaren". Eine Standarte wurde gestiftet. Sie trug die Aufschrift "Krefelder Prinzengarde 1898". Die Uniform glich man an die der Husaren an: weiße Litewka mit grünen Aufschlägen, mit dem Gardestern verzierter grün-weißer Tschako, Dolman und schwarze Hose. Die Garde bestand nur aus Offizieren. Lediglich für den Rosenmontagszug wurde ihr eine Garde zu Fuß an die Seite gegeben. Sie setzte sich aus hochgewachsenen Mitgliedern des Allgemeinen Turnver-eins zusammen, trug friederizianische Uniformen, hieß deshalb "Die langen Kerls" und wurde von August Heiden kommandiert. - Zur Erinnerung an ihre Gründung und an einen äußerst erfolgreichen Karneval 1914 schenkte die Prinzengarde der Tollität ein prächtiges, mit einem eleganten breiten Pudergoldrahmen versehenes Bild des Kaisers in Generaluniform.


Das Zehnjährige

 Inzwischen war der erste Weltkrieg ausgebrochen und verloren worden. Man schrieb das Jahr 1924. Die Besatzungsmächte hatten den öffentlichen Karneval untersagt. In ihrer noch geltenden Bekanntmachung Nr. 26 von 1919 hieß es:
 
"Zur Aufrechterhaltung der Ordnung sowie angesichts der augenblicklichen Verhältnisse sind die gewöhnlichen Festlichkeiten zu Karneval und Mittfasten verboten. Es ist jedem verboten, sich maskiert oder verkleidet auf Straßen oder an öffentlichen Orten zu zeigen.
Der Oberst und Orts- kommandant von Crefeld - Crefeld, den 10. Februar 1919 de Posch"

Das Zehnjährige fiel aus. Trotzdem existierte die Prinzengarde weiter - als Kegelklub. So blieb man wenigstens beieinander, wenn auch nicht so, wie es vor zehn Jahren von den Gründervätern geplant worden war. Erst 1925 wurde das Verbot der Besatzungsmächte aufgehoben. Am 23. Januar 1926 fand dann erstmals wieder ein Prinzengardeball statt.


Das Zwanzigjährige

Inzwischen - man schrieb das Jahr 1934 - hatte sich manches geändert. Die Nationalsozialisten, die seit etwa einem Jahr regierten, hatten die Breitenwirkung des Karnevals erkannt und bauten ihn in ihre Propaganda ein. Pflege des heimischen Brauchtums war gefragt, allerdings unter wesentlich anderen Vorzeichen als früher. Alle Vorsitzenden, Präsidenten und Kom-mandeure waren "Führer des Karnevals". Sie hatten sich den Anordnungen des Kreisleiters, also der Partei zu fügen. Ein besonderer "Führerausschuss" wurde gebildet und ein Aufruf "Brauchtum Karneval als deutsches Volksfest" veröffentlicht. Sogar ein "Karnevals-Werbeschlager" wurde kreiert: "Wir maake mött".
In einer Bekanntmachung des Polizeipräsidenten ("Westliche Zeitung vom 6. Februar 1934) hieß es:
 
"Die Gastwirte und die Leiter der Veranstaltungen sind dafür verantwortlich, dass die karnevalistische Ausgelassenheit nicht in Unanständigkeiten und Roheiten ausartet. ...Der Polizeipräsident hat... das Vertrauen, dass trotz allen Frohsinns und allen Scherzes das Leben und Treiben sich auch auf der Straße, obwohl das Tragen von Gesichtsmasken nicht verboten ist, innerhalb der durch Sitte und Anstand gezogenen Grenzen bewegen wird. Roheiten, Rüpeleien, Gemeinheiten in Wort oder Gebärde gehören nicht in den Krefelder Karneval. Gegen Verkleidungen anstößiger oder beleidigender Art ...gegen das unbefugte Tragen von Uniformen und gegen sonstige ordnungswidrige Karnevalskleidung wird die Polizei auf der Stelle einschreiten."
 
Mit Prunk und Pracht und entsprechend ihrer Aufgabe war natürlich auch die Prinzengarde wieder dabei. Ihren Geburtstag feierte sie im Hotel "Stadt München". Doch das ist leider schon alles, was in den Analen des Krefelder Karnevals des Jahres 1934 über sie vermerkt ist.


Das Fünfundzwanzigjährige

Im September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Zur Freude aller war die Session längst vorbei. Die Prinzengarde hatte ihren 25. Geburtstag noch ungestört von den Wirren des Krieges feiern können. Sie tat das am 13. Februar 1939 mit einem glanzvollen Festabend im "Seidenfaden". Leider war die Freude doch nicht ganz ungetrübt. Unter der Überschrift "25 Jahre Krefelder Prinzen-garde" schrieb die Westdeutsche Zeitung unter anderem:
 
" ...In diesen Hochtagen närrischen Treibens hat es am Sonntagabend im besetzten Varietéraum des Krefelder "Seidenfaden" so etwas wie eine karnevalistische Besinnungs-stunde gegeben. Und das, obwohl die Krefelder Prinzengarde mit großer Närrinnen- und Narrenschar gekommen war, den Tag des 25jährigen Bestehens zu feiern. Aber der Ernst dieser Feierstunde hatte seinen Grund. Denn der Kommandeur dieser vielleicht treuesten aller Garden war ernsthaft erkrankt und somit am Erscheinen verhindert. Und die Treue ging eben sogar so weit, dass man ohne den geliebten Kommandeur nicht fröhlich im ausgelassensten Sinne sein wollte."
 
Das Programm rollte zwar in voller Länge ab, aber die Stimmung war gedrückt.
Und noch etwas war anders als sonst. Auch für diese Session wurde selbstverständlich ein Prinzenpaar gekürt. Seine "Amtszeit" sollte wie üblich mit dem Beginn der nächsten Session ablaufen.
Was allerdings damals niemand wusste und auch nicht ahnen konnte: bis zum Jahr 1949 musste man auf diese nächste Session warten. So blieben die Tollitäten von 1939 volle 10 Jahre "im Amt". Es waren Heinrich I. ( Wackers), der Wackere oder - wie er dann später auch hieß - der Eiserne und Krefeldia Lilo II. (Kress).


Das Dreißigjährige

1944 - es war Krieg. Auch der Prinzengarde spielte er übel mit. Abgesehen von allem Leid, das er über die Stadt brachte, konnte die Garde diesen runden Geburtstag wieder einmal nicht feiern; denn seit 1940 gab es einen öffentlichen Karneval nicht mehr.


Das Vierzigjährige

 1954! - Diesen ersten besonderen Geburtstag nach dem 2. Weltkrieg feierte die Garde verständlicherweise sehr engagiert und festlich. Besonders zu erwähnen sind das Festbankett mit großer Gratulationscour im "Seidenfaden" am 26. Januar und das Fest in der "Königsburg" am 30. Januar, bei dem als besondere Überraschung die 35 Mann starke Traditionskapelle der 11er Husaren aus Stadtlohn mitwirkte. Die Zeitungen berichteten ganz ausführlich. Die "Neue Presse" vom 16.01.1954 traf den Nagel auf den Kopf, als sie u. a. schrieb: "...Viele Opfer an Zeit und Geld haben die Männer der Prinzengarde in allen Jahren gebracht. Uneigennlitzig haben sie dem schönen Volksfest Karneval gedient. In mancher kalten Nacht sind sie mit ihrem Mariechen und dem Prinzen von Veranstaltung zu Veranstaltung gefahren und haben mitgeholfen, die fröhliche Stimmung zu steigern und das bunte Bild zu erhöhen. Man darf ihnen bei ihrem Jubiläum dafür schon Dank sagen. ..."

Wie wahr, wie wahr! Man hätte guten Grund, dasselbe auch heute wieder mit voller Berechtigung zu schreiben.


Das Fünfzigjährige

 In diesem Jahr - 1964 - zählte die Garde 140 Mitglieder. Hinzu kamen 50 Musiker des Stabsmusikzugs unter Oberstleutnant Hans Aubach und 25 Mitglieder des Stabsspiel-mannszugs unter Ritmeister Maas. Die Tollitäten waren unser früherer (1957-1962) und späterer (1969-1978) Vorsitzender Hans Büren als Hans VIII. und Hannelore Casaretto als Hannelore I. Wenn auch über "große" Feiern in den Annalen nichts auffindbar war, so lässt doch allein schon das für diese Jubiläums-Session aufgestellte Programm die Bedeutung des Jahres 1964 für die Garde erahnen. Herausragende, aber keineswegs die einzigen Veranstaltungen waren der erste Herrenabend in unserer Geschichte am 17. Januar, am 31. Januar die Gratulationscour, beide im "Krefelder Hof", der Gala-Ball am gleichen Tag in der "Königsburg" und ein weiterer Gala-Ball am 10. Februar in der "Bosi-Bar".
 
Nun wird ja zu besonderen Ereignissen häufig eine Festschrift herausgegeben. Natürlich plante das ursprünglich auch die Garde zu ihrem Fünfzigsten. Aber nach reiflicher Überlegung verzichtete sie dann doch darauf. Statt eines überwiegend allein für ihre Mitglieder und wenige Heimatforscher interessanten Heftes veröffentliche sie eine Darstellung der Geschichte
 des gesamten Krefelder Karnevals als Buch. In ihm wurde die fünfte Jahreszeit seit etwa dem Ende des 18. Jahrhunderts geschildert - eine wirklich verdienstvolle Veröffentlichung. Der Titel des Buches: "Der Krefelder Narrenspiegel".
 
Und noch etwas ist besonders zu erwähnen: Wie in den Jahren zuvor bewirtete die Prinzengarde auch in diesem ihrem Jubiläumsjahr die alten Mitbürger im "Haus am Berg" mit Rehragout. Das Reh hatte unser Mitglied Jupp Keutken geschossen - mit waidmännischer Eleganz, wie damals zu hören gewesen sein soll.


Das Sechzigjährige

1974 - die Prinzengarde wurde nach ihrem zählbaren Alter allmählich zu einer älteren Dame. Aber sie war munter wie eh und je. Und deshalb wäre auch die Annahme völlig falsch, sie hätte aus Bequemlichkeit oder gar aus Müdigkeit auf einen Gratulationsempfang aus Anlass ihres sechzigsten Geburtstages verzichtet und nur deshalb DM 1. 000,-- an die Krefelder Familienhilfe zugunsten vom "Haus am Berg" überwiesen. Nein -diese soziale Einrichtung lag ihr echt am Herzen, wie viele ältere Gardisten und Mitbürger noch wissen.
 
Erster Vorsitzender war in diesem Jahr unser jetziger Ehrenvorsitzender Hans Büren, Schatzmeister und 2. Vorsitzender das spätere Ehrenmitglied, unser allseits beliebter und geehrter Super-Karnevalist Willi Esters; wohl wegen seiner Funktion als Schatzmeister bezeichnete er sich selbst immer als "Inhaber der Prinzengarde" - was man ihm lächelnd zugestand. Er befand sich in allerbester Gesellschaft mit dem damaligen Kommandeur, unserem späteren Großmarschall Albert Machost. Noch heute wird er von denen, die ihn persönlich kannten, als Gönner und Förderer des Reiter-Corps, aber auch als Vaterfigur der gesamten Garde geradezu verehrt.
 
Geschäftsführer war der ebenfalls unvergessene, mit hintergründigem Humor ausgestattete Conelius Belger, sein Vertreter Paul Bruns, 2. Schatzmeister Heribert Ridders und Vorsitzender des Vergnügungsausschusses - wer hätte es anders sein können - Ernst Ingenrieth.


Das Siebzigjährige

Man schrieb 1984 - siebzigster Geburtstag der Garde. Unter dem damaligen Vorsitzenden Herbert Koch feierte die Garde ganz groß. Überdies stellte sie die Tollität. Prinz war der ungemein karnevalserfahrene Karl- Heinz Kuhfs als Karl-Heinz II. mit seiner - wirklich seiner! - Andrea I. als Lieblichkeit. Nicht nur die beiden, sondern alle Minister waren Mitglieder unserer Garde, und alle, ausnahmslos alle stellten sich den Fotografen hoch zu Ross - ein überaus seltener Anblick. Aber das war eben die Prinzengarde!
 
Am 21. Januar 1984 gab es morgens in der Burg Linn eine Geburtstagsparty und abends im Seidenweberhaus eine große karnevalistische Gala. Morgens waren Freunde aus dem In- und Ausland gewissermaßen unter sich, abends war der große Saal des Seidenweberhauses gerappelt voll von karnevalbegeisterten Bürgerinnen und Bürgern aus Krefeld und der näheren und weiteren Umgebung. Und der Sitzungspräsident - wer anders als der altbewährte Karnevalshaudegen Jupp Konnes! - machte bemerkenswerte Anmerkungen zu den siebzig Jahren Prinzengarde, die selbst Rudi Neuhausen bis dahin noch nicht archiviert hatte: "Seit seiner Gründung hat das aktive Corps der Prinzengarde die Tollitäten bei insgesamt 8.735 Aufzügen eskortiert. Dabei haben die Offiziere 38.664 Gläser Alt und 24. 669 Stuffkamp getrunken. Nach dem Verzehr von 83.614 Rollmöpsen wurden am Morgen danach genau 24.663 Kopfschmerztabletten geschluckt."
 
Es würde diesen Beitrag sprengen, alles aufzuzählen was karnevalistisch und weniger karnevalistisch Rang und Namen hatte und den Abend bei der Garde verbrachte. Es würde diesen Beitrag noch einmal sprengen, das gesamte Programm zu kommentieren. Nur ein einziger Satz sei zitiert, der bei diesem Fest immer wieder die Runde machte: " Mit 70 ist die Prinzengarde so jung wie nie zuvor."


Das Fünfundsiebzigjährige

Und sie blieb jung, unsere Garde. 1989 war ihr 75. Geburtstag. Im Wesen schien sie immer munterer und gar nicht grauhaarig zu werden, obwohl sie an Jahren zählbar älter wurde. Sie war gewissermaßen die Inge Meysel unter den Karnevalsvereinen; die scheint im zarten Alter von deutlich über achtzig Jahren ja auch immer munterer zu werden.
 
Am 8. Januar 1989, einem Sonntag, fand morgens im festlich geschmückten Rittersaal der Burg Linn ein Festakt mit anschließendem großem Empfang statt. Gäste von nah und fern waren gekommen, um zu gratulieren, unter Ihnen natürlich auch Heinz Wacker, der Präsident des "Bund Deutscher Karneval". Dr. Hermann Steffens, Oberstadtdirektor a. D. und Ehrenmajor der Garde, hielt eine vortreffliche, eine richtig zu Herzen gehende Laudatio. Mit folgenden Sätzen schloss er:
 
"... Es gibt viele Menschen, die allein und deshalb verbittert sind; sie haben die Freude am Leben verloren, weil Einsamkeit schwer zu ertragen ist. Niemand von uns weiß, ob er von diesem Schicksal wirklich verschont bleibt. Daher ist es gut, sich in den Jahren der Blüte Freunde und Freude zu machen. Sicher, Brauchtumspflege ist schön und sehr wichtig, damit Althergebrachtes tradiert wird. Aber der Austausch von Freundschaft unter Gleichgesinnten in froher Runde ist m. E. genauso wichtig. Die Prinzengarde ist eine solche Gemeinschaft, die dieses Gefühl der mitmenschlichen Geborgenheit vermittelt. ...Und so wünsche ich denn dieser Prinzengarde zum Wohle ihrer Mitglieder, aber auch zum Wohle der Stadt Krefeld noch viele, viele glückliche Jahre. ..."
 
Der festliche Vormittag wurde geschlossen mit dem Lied "Adieu, mein kleiner Garde-offizier", in voller friederizianischer Uniform gesungen von Gabriela Künzler vom Krefelder Theater. Aber dieses Adieu galt nur für den ersten Teil des Tages. Nachmittags fand im voll besetzten großen Saal des Seidenweberhauses die große Prunksitzung mit der ersten Verleihung des Närrischen Steckenpferdes durch die Garde statt. Erster Ritter war der damalige Bundesminister Jürgen W. Möllemann †, mit dem die Garde bei einem früheren denkwürdigen karnevalistischen Besuch in Münster eine andauernde Freundschaft verband. Die ungemein geschliffene, wegen ihres Einfallsreichtums, ihres Witzes und ihres Humors unvergessliche Laudatio auf ihn hielt der Ehrenoberst der Prinzengarde und damalige Krefelder Oberbürgermeister Dieter Pützhofen.
 
Es kann hier nicht auf alles eingegangen werden, was das gekonnt zusammengestellte, vom Präsidenten Rainer Küsters wie gewohnt karnevalistisch-geistvoll angesagte und kommentierte Superprogramm bot. Nur soviel sei noch erwähnt: Zum Abschluss erklang vor den ausnahmslos begeisterten Gästen wieder das Lied vom kleinen Gardeoffizier.
 
Natürlich bot diese Jubiläumssession noch viel mehr als "nur" die beiden eigentlichen Jubiläumsveranstaltungen. Da waren noch der Regimentsappell, der Manöverball mit der Überreichung einer Riesen- Geburtstagstorte mit 75 Kerzen durch die befreundete Prinzengarde Duisburg, der Herrenabend, der Hausfrauennachmittag, die Krieewelsche Sitzung im Hause der Horten AG, das Fischessen und - natürlich! - der Rosenmontagszug, bei dem die Garde mit rund 290 Teilnehmern einschließlich je zwei Spielmanns- und Musikzügen, ferner mit 45 Pferden, sechs Fest- und anderen Wagen, einer Kutsche und zwei Geschützen eine eigene große und prunkvolle Sektion unmittelbar vor dem Prinzenwagen bildete.


Das Achtzigjährige

In diesem Jahr fanden keine besonderen Feierlichkeiten statt.


Das Neunzigjährige

Unendlich viel ist geschehen in den vergangenen 10 Jahren. Das Zeughaus avanciert zu einer populären Veranstaltungsstätte und sieht große Feste. Nicht nur die jährlichen Regimentsappelle sondern auch spektakuläre Sommer- und Familienfeste.
 
Die alljährlichen Steckenpferdverleihungen im Seidenweberhaus gehören zu den gesellschaftlichen Highlights in unserer Stadt. Ebenso gilt der Herrenabend, jetzt wieder im Parkhotel, zu einer Art Kult-Event.
 
Eine handfeste Vereinskrise 1994 wurde ebenso gemeistert, wie so manche Schwierigkeit, die Ergebnis der allgemeinen wirtschaftlichen Misere in Deutschland ist. So schließt im Jahre 2001 die Rhenania Brauerei für immer ihre Pforten. Mit der König Brauerei wird schnell ein verlässlicher, neuer Partner gefunden.
 
2002 wird dann von den Mitgliedern eine umfängliche Reform der Vereins- und Vorstabsstruktur beschlossen.
Die drei Corps, als Relikte der Vorzeit werden aufgelöst und zu einem homogenen Ganzen verschmolzen.
Der Senat wird gegründet und versteht sich als wirtschaftliches Rückgrat der Garde.

Heute sind annähernd 400 Mitglieder sowohl aktiv als auch passiv eingeschrieben. Unverzichtbarer Höhepunkt einer jeden Session ist der Rosenmontagszug, an dem die Prinzengarde alljährlich mit der gewohnten Pracht und Akkuratesse teilnimmt.


Dem Grün-Weißen-Corps - Ad multos annos!

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